Bericht eines Augenzeugen
Homayon Iwani
In der Zeit im Gefängnis und auch der Zeit, in der ich im Iran war,
hatte ich das Gefühl, in einer Kristallkugel gefangen zu sein. Eine
Kristallkugel, aus der kein Laut nach außen dringen kann und auch
keiner von außen nach innen. Und so konnten wir nicht die Stimmen
hören, die versuchten, von außen mit uns zu sprechen. Wir fühlten
uns von der Welt abgeschnit-ten.
Wir waren nicht nur im Sommer 1988, sondern in jeder Minute und
Stunde meiner Haftzeit menschenunwürdigen Bedingungen ausgesetzt.
Um das ganze Ausmaß dieses Verbrechens zu schildern, bedarf es einer
ausführlichen Untersuchung. Wie meine Vorredner schon erwähnten,
wurden unsere Kontakte zur Außenwelt im Sommer 1988, nach der Un-terzeichnung
der UN-Resolution, abgebrochen. Alle Besuche wurden untersagt, wir
bekamen keine Zeitungen und die tägliche Ausstrahlung der staatlichen
Radiosendungen per Lautsprecher im Gefängnis wurde ausge-setzt.
Alle Fernsehgeräte wurden aus den Gefängnisabteilungen entfernt.
Die letzte Nachricht, die uns durchs Fernsehen erreichte, war, dass
die Kämpfer der Volksmudjahedin mit brasilianischen Panzern bewaffnet
im Westen des Landes einmarschiert waren. Dies wurde von Rafsandjani
bei seiner Rede im Teheraner Freitagsgebet verkündet, und danach
folgten hysterische Parolen der Betenden, die die Vernichtung aller
Feinde des Islams, also auch die der politischen Gefangenen, forderten.
Das, was mit uns geschah, war keine Affekthandlung der Regierung.
Sie hatte uns schon oft klar gemacht, dass sie uns nicht heil herauskommen
lassen würde. Deshalb waren wir auch darauf vorbereitet, getötet
zu werden. Wir wuss-ten aber nicht, wann und wie dies geschehen
sollte. Aufgrund der Äuße-rungen der Regimestrategen in den Medien
und unserer eigenen Erfah-rungen wussten wir, dass das Informationsministerium
schon seit 1986 zu dem Schluss gekommen war, eine nachgiebige Haltung
gegenüber den politischen Gefangenen könne diese weder zur Mitarbeit
bewegen noch ihre politische Einstellung auf ein Niveau bringen,
das ihre bedenkenlose Freilassung ermöglichen würde. Deshalb warteten
sie mit Plan auf einen Anlass, die ungehorsamen Gefangenen zu vernichten.
Die Krise nach der Unterzeichnung des Abkommens und die darauf folgenden
gesellschaftlichen Unruhen waren ein eindeutiges Anzeichen für einen
zunehmenden Klassenkampf in der Gesellschaft. Die Freilas-sung der
politischen Gefangenen aus dem Gefängnis würde die Zahl der Aktivisten
und Organisatoren einer gesellschaftlichen Umwälzung im Iran verstärken.
Die Regierung wusste, dass nach dem Krieg der Druck im In- und Ausland
für eine Freilassung der politischen Häftlinge zunehmen würde. Sie
wussten, dass sie sich, bevor dieser Druck zunähme, des Problems
entledigen mussten. In solch einer Situation begannen die Massenmorde.
Im Juli 1988 wurden alle Besuche untersagt, und nach einem Monat
er-fuhren wir, dass sie dabei waren, die Gefangenen des Ewin-Gefängnisses
zu erhängen. Aber da wir diese Nachricht durch Klopfzeichen bekommen
hatten, und dies wahrscheinlich durch mehrere Gefängnisabteile hindurch,
konnten wir die Quelle dieser Nachricht nicht lokalisieren. Wir
rechneten also mit der Möglichkeit, dass die Nachricht falsch sei.
Wir erhielten auch die Nachricht von der Protestaktion der Familien
der Gefangenen, die nun ihre Angehörigen nicht mehr besuchen konnten.
Die neue Methode der Morde an Gefangenen war Tod durch den Strick
und man konnte nicht, wie früher, durch das Zählen von Genickschüssen
die Zahl der Hingerichteten schätzen. Die Gefangenen wurden geräuschlos
in Grup-pen erhängt, ohne dass die anderen Gefangenen etwas davon
mitkriegen konnten. So ein Wahnsinn. Es ist unvorstellbar, dass
deine Freunde und Genossen nur wenige Meter von dir nach Luft ringend
am Strick hängen, während die Pasdaran (Revolutionsgardisten) triumphierend
Parolen schreien. So ein Wahnsinn, so eine Orgie des Hasses passt
in keinen ge-sunden Verstand. Doch die Islamische Republik ist ein
Fall für sich.
Am 31. August erreichten uns von der 7. und 8. Abteilung des Gohar-dasht-Gefängnisses
furchtbare Nachrichten. Die Gefangenen wurden in Gruppen von 70
bis 80 Personen nach draußen geführt und wir hörten bis zum Abend
nichts von ihnen. Als sie wieder zu ihren Zellen geführt wur-den,
versuchten sie mit uns Kontakt aufzunehmen. Sie schickten uns per
Klopfzeichen die Botschaft: "Sie haben viele von uns abgeschlachtet.
Wir haben die Leichen gesehen. Passt auf euch auf." Um sechs
Uhr morgens bekam ich diese Nachricht von Hamid Nassiri. Er wollte
von mir wissen, ob ich denjenigen kenne, der uns durch Klopfzeichen
benachrichtigte. Ich kannte ihn. Wir waren ein Jahr lang zusammen
in verschiedenen Gefäng-nissen gewesen. Die Nachricht entsprach
der Wahrheit. Da sie am vorhe-rigen Tag die Abteilung neben uns
mitgenommen hatten, mussten wir heute dran sein.
Hamid meinte: "Vielleicht ist das alles nur ein Trick und sie
wollen uns einschüchtern". Aber ich sagte zu ihm, dass derjenige,
der uns diese Nach-richt zugeschickt hatte, erfahren genug sei,
um auf solch einen Trick nicht hereinzufallen. Wir waren in unser
Gespräch vertieft, als die Pasdaran um sieben Uhr morgens Hamid
aus der Zelle riefen. Er wurde am selben Tag erhängt. Die Zeit war
zu knapp und die Informationen, die uns erreichten, waren sehr unschlüssig.
Unserer Einschätzung nach suchten sie jedoch nach einem Vorwand,
uns zu vernichten. Die Lage war ernst. Wir gaben diese Nachricht
an alle Gefangenen und politischen Gruppen, deren Mit-glieder im
Gefängnis waren weiter und beharrten darauf, diese Nachricht nicht
wie ein Gerücht zu behandeln. Die Gefangenen waren unruhig und als
wir dabei waren miteinander zu diskutieren, es war ungefähr acht
oder halb neun, öffneten sie unsere Zellentür und brachten uns alle
mit ver-bundenen Augen nach draußen. Wir wurden von den Pasdaran,
die vor der Tür standen, befragt. Die Fragen waren dieselben Fragen,
die sie uns immer stellten. Aber in diesem Moment wählten sie anhand
der Antwor-ten die Leute aus, die hingerichtet werden sollten. Sie
fragten uns nach unseren Namen, nach den Namen unserer Väter, warum
wir verhaftet worden seien und nach unserer Religion. Außerdem wollten
sie wissen, ob wir die Islamische Republik Iran anerkennen würden
und ob wir bereit wären, an einem öffentlichen Interview teilzunehmen.
Die beiden letzten Fragen wurden nur dann den linken Gefangenen
gestellt, wenn sie die Frage nach dem Glauben an den Islam bejaht
hatten. So wurden diese beiden letzten Fragen zwei Gruppen von Gefangenen
nicht gestellt:
1. Der Gruppe der Gefangenen, die auf die Frage nach dem Glauben
keine Antwort gegeben hatten, weil sie der Meinung waren, dass Religion
ihre persönliche Angelegenheit sei.
2. Der Gruppe der Gefangenen, die ganz offen den Marxismus verteidig-ten
und sich offen gegen die Islamische Republik aussprachen.
Diese beiden Gruppen wurden von den anderen getrennt und sie wur-den
in den Hauptkorridor des Gohardasht-Gefängnisses und von dort zum
Gerichtsgebäude gebracht. Wir wurden innerhalb von zehn Minuten
befragt und jeder, der anhand einer dieser Fragen für "hinrichtungstaug-lich"
gehalten wurde, wurde zu den wartenden Gefangenen gebracht. Bis
auf wenige Gefangene mussten alle im Korridor warten. Bevor die
Schlange sich in Richtung Gerichtsgebäude in Bewegung setzen konnte,
wählte der Lashkari (der Oberaufseher des Gohardasht-Gefängnisses)
einige Gefangene von den Wartenden aus und brachte sie in die Aula
des Gohardasht-Gefängnisses, um sie dort zu erhängen. Einer von
diesen Gefangenen war Mustafa Farhadi. Er wurde zu Shah-Zeiten wegen
Mit-gliedschaft bei der Volksmudjahedin verhaftet und erst im Gefängnis
Marxist. Nach der Revolution von 1979 wurde er Mitglied der rahe-kargar.
Ein anderer dieser Gefangenen, dessen Namen ich leider nicht mehr
weiß, war ein altes Mitglied der Volksfedaien. Die beiden wurden
ohne gerichtli-ches Urteil von dem Oberaufseher zum Tode verurteilt.
Wir warteten alle in einer Schlange darauf, dass man uns zum Gericht
bringen würde. Im Gericht saß eine siebenköpfige Delegation, deren
Vor-sitzender Hodjatotislam Naieri war. Er wurde von Khomeini persönlich
in dieses Amt berufen. Khomeini hatte eine neue Fatwa für die politischen
Gefangenen erlassen und diese siebenköpfige Delegation mit deren
Aus-führung beauftragt. Die neue Fatwa von Khomeini lautete folgenderma-ßen:
"Kein Gottloser oder Abtrünniger des Islams sollte am Leben
blei-ben!" Sie betrachteten die Anhänger der Volksmudjahedin
als Abtrünnige des Islams, worauf Todesstrafe stand. Die Mitglieder
der linken oder lai-zistischen Gruppierungen galten als gottlos.
Als wir im "Gericht auf isla-mische Art" eingetroffen
waren, stellten sie uns dieselben Fragen wie am Morgen. Während
dieser Gerichtssitzung lernte ich viel über die verschie-denen Strafmaße
für die verschiedenen Formen der Abtrünnigkeit. Nach Meinung der
Islamischen Republik gibt es zwei Sorten Abtrünnige. Cha-rakterlich
Abtrünnige und national Abtrünnige. Mit charakterlich abtrün-nig
sind diejenigen gemeint, die vorher Muslime waren und nicht mehr
an den Islam glauben. Sie sind von ihrem wahren muslimischen Charakter
abtrünnig geworden und müssen deswegen sofort hingerichtet werden.
Jemand, der zum Beispiel 1979 fünfzehn Jahre alt wurde, der mal
gebetet oder an den Islam geglaubt hat, gehört zu dieser Gruppe.
Die Gruppe der national Abtrünnigen bestand aus denjenigen, die
niemals Mohammedaner waren. Diese Urteile wurden nur für wenige
der Linken verhängt. Sie mussten erst einmal unter Strafen, z.B.
durch Aus-peitschen, dazu gebracht werden, Mohammedaner zu werden.
Sie beriefen sich dabei auf Mohammed, der zu seiner Zeit einen Christen
auf dem Basar ausgepeitscht hatte, um ihn zum Islam zu bekehren.
Also mussten wir so lange ausgepeitscht werden, bis wir uns entweder
zum Islam be-kannten oder bis wir starben. Für diese Art der Auspeitschung
gibt es ein islamisches Fachwort: "Taazier-Harbi". Eigentlich
gilt diese Strafe für alle Gottlosen im Iran, also auch für die
Christen, Juden, Bahai oder Za-rathrustisten. Die Gründe, warum
diese Strafe nur auf die Bahai ange-wandt wurde, liegen auf der
Hand. 1. Alle iranischen religiösen Minderhei-ten erhalten große
internationale Unterstützung, so dass eine offene Un-terdrückung
dem Regime große Schwierigkeiten bereiten würde. 2. Die Führungen
dieser religiösen Minderheiten verhielten sich ruhig und waren sehr
darauf bedacht, keine Probleme mit dem iranischen Regime zu pro-vozieren.
Daher wurde dieses Urteil nur auf Atheisten angewandt.
Nach der Gerichtssitzung wurden wir in drei Gruppen aufgeteilt.
Die erste Gruppe bestand aus einigen der Mitgefangenen, die der
Meinung waren, dass es sich hier um ein islamisches Regime handle,
gegen das man nicht ideologisch vorgehen könne. Vor Gericht stellten
sie sich als gläubi-ge Mohammedaner dar.
Die Personen der zweiten Gruppe waren nach Meinung des Gerichts
früher Mohammedaner gewesen. Sie gaben aber nun auf die Frage nach
ihrer Religionszugehörigkeit keine Antwort oder sagten, sie seien
keine Mohammedaner. Diese Gruppe gehörte zu den charakterlich Abtrünni-gen.
Sie wurden sofort in die Aula des Gefängnisses gebracht und dort
erhängt.
Unsere Gruppe bestand aus ungefähr 75 Menschen, von denen über 40
hingerichtet wurden. Einige Namen der Hingerichteten sind folgende:
Sadgh Riahi, Jaafar Riahi, Jaafar Dajat, Jawad Gheem Abadi, Hodjat
Alian und Madjid Ejwani (Ich bin dabei, diese Liste mit Hilfe anderer
ehemaliger Mitgefangener zu vervollständigen).
Die dritte Gruppe bestand aus den national Abtrünnigen, die durch
Auspeitschung zu jeder Gebetszeit zum Islam bekehrt werden sollten.
Es gibt fünf Gebetszeiten und wir bekamen bei jeder Gebetszeit zehn
Peit-schenhiebe. Der große Unterschied zu unseren Verhörzeiten war,
dass wir damals ununterbrochen den Schlägen ausgeliefert waren.
Nun wurden wir jeden Morgen, Nachmittag, Abend und im Morgengrauen
ans Bett gefes-selt und ausgepeitscht. Das war die Methode, mit
der man unseren Willen unter dauernder Folter und durch einen langsamen
Tod brechen wollte. Während der Hinrichtungen und der Auspeitschungen
mussten alle Pas-daran (Wärter) dabei sein und mitmachen, damit
später keiner von ihnen behaupten könnte, er sei nicht beteiligt
gewesen. Jeder einzelne von ihnen musste Menschen auspeitschen und
erhängen. In anderen Gefängnisabtei-lungen, in denen die Gefangenen
von diesen Geschehnissen nichts mitbe-kommen hatten, erzählte die
Gefängnisleitung, sie wolle die Gefangenen in Betende und Nicht-Betende
aufteilen. Es war klar, dass die linken Ge-fangenen nicht beten
würden. Als die Wärter die Frage stellten, wer nicht bete, meldeten
sich die Linken. Das war ihr Todesurteil. Einige der linken Gefangenen,
die sich mit islamischen Gesetzen auskannten, versuchten durch eine
falsche Aussage ihr Leben zu retten, indem sie z.B. behaupte-ten,
sie wären Mohammedaner. Als sie vor Gericht gefragt wurden, ob sie
denn nun als gläubige Mohammedaner beten würden, antworteten sie,
sie würden nicht beten, weil sie nicht daran gewöhnt seien. Der
Richter sagte daraufhin, die Gefangenen sollten in die Zelle zu
den ungläubigen Gefan-genen gehen, um dort glücklich zu werden.
Damit war natürlich der Strick gemeint.
Viele der Gefangenen konnten bis zum Schluss nicht glauben, was
ge-schah. Sie fragten die Wärter verwundert, warum sie ihnen Testaments-formulare
gaben. Sie waren fassungslos als sie aufgehängt wurden. In der Aula
des Gohardasht-Gefängnisses hingen die Stricke in zwölf Reihen.
Nach der Hinrichtung einer Gruppe wurden die Leichen sofort durch
die Hintertür in den Hof gebracht und dort in Container verfrachtet.
Waren die Container voll, wurden sie nach Khwaran gefahren, wo die
Toten in Massengräbern begraben wurden. Diese Massengräber sind
heute noch ein Treffpunkt der Angehörigen der hingerichteten Gefangenen.
Schät-zungsweise wurde über ein Drittel aller männlichen linken
Gefangenen in den Gefängnissen hingerichtet. Wie ich schon erwähnte,
beschlossen die Gefangenen, nachdem die Nachricht von den Hinrichtungen
alle Gefan-genen erreicht hatte, diesem Massenmord durch einen taktischen
Rückzug zu entkommen. In dem 12. und 13. Gefängnisabteil des Gohardasht-Gefängnisses
schafften es die Gefangenen, nicht einmal vor dem Gericht angeklagt
zu werden. Die Wärter waren außer sich vor Wut. Sie verhörten einige
der Gefangenen, um herauszufinden, warum diese ihre Meinung geändert
hatten und woher sie von den Hinrichtungen wussten.
Ihr Hauptziel war die Vernichtung aller politischen Gefangenen.
Selbst vor der Vernichtung ihrer Familien scheuten sie nicht zurück.
Aber von der Hinrichtungswelle von 1988 waren nicht nur die politischen
Gefange-nen betroffen. Alle Kräfte, die gegen die islamische Regierung
und für die Freilassung der politischen Gefangenen kämpften, waren
Zielscheibe der Attacke der Islamisten. Doch die politischen Gefangenen,
die seit Jahren in Gefangenschaft waren, waren dieser Vernichtungswelle
am schutzloses-ten ausgeliefert. Das Regime hatte in den Gefängnissen
die größte Kon-zentration aller oppositionellen Kräfte geortet.
In den Monaten August und September 1988 wurden viele hingerichtet.
In den folgenden Mona-ten wurden viele Überlebende der ersten Hinrichtungswelle
vor das soge-nannte Gericht gebracht und dieses Mal endgültig verurteilt.
Die Situation, in der sich die Gefangenen befanden, ist unbeschreiblich.
Jeder wusste, dass jedes Herauskommen aus der Zelle ohne Rückkehr
sein konnte. Der seelische Zustand der übriggebliebenen Gefangenen
war sehr schlecht.
Es gab Anzeichen für die Konflikte innerhalb des Regimes, z.B. den
offenen Brief von Ajatollah Montazeri an Khomeini. Die Mitglieder
in der Regierung waren sich bezüglich der Vernichtungsmethoden nicht
einig. Die Nachrichten über diese Hinrichtungen waren durch die
Gefängnis-mauern gesickert. Das brachte die Regierung dazu, die
zweite Hinrich-tungswelle zu stoppen. Es heißt, wenn dieser geringe
Druck von außen nicht gewesen wäre, hätte keiner der Gefangenen
das Gefängnis verlassen.
Meine Damen und Herren, allein bin ich nicht in der Lage, die Dimen-sionen
dieser Verbrechen zu schildern. Ich bin nicht in der Lage, die Situ-ation
in einem Konzentrationslager zu schildern, in dem an jedem Tag und
zu jeder Stunde eine bewaffnete Gruppe von Pasdaran einige ihrer
Gefangenen erhängen, andere fünfmal täglich auspeitscht und wieder
anderen droht, dass sie der Tod erwartet. Ich kann die Szenen von
der Desinfektion der Aula des Gohardasht-Gefängnisses zur Bekämpfung
des Leichengeruches nicht schildern. Ich kann nicht beschreiben,
wie ich mich fühlte, als ich den Berg von Schuhen der Gefangenen
sah. Nichts außer diesem Berg von Schuhen war der Zeuge der Vernichtung
eines Teils meiner Person. Ich kann meine Atemlosigkeit, während
ich die Habselig-keiten von Hamid, Bijan, Homajun, Madjid, Behzad
und Ahmad zusam-menpackte, nicht beschreiben. Ich kann nicht beschreiben,
wie ich mich fühlte, als ich mit von Kabeln geschlagenen, verwundeten
Füßen und Augen, die durch die Schläge der Pasdaran nicht mehr gut
sehen konnten, wieder in meine Zelle, in der außer mir niemand mehr
am Leben war, zurückgestoßen wurde. Ich kann es nicht. Vielleicht
ein anderes Mal.